Pressemitteilung Nr. 6: DSM 2009 Mengen: Große Aufgaben können gemeistert werden
Gestern, nachdem die Offene Klasse bereits in der Luft war und nur von geringem bis mäßigem Steigen bis auf 1200 m zur blauen Basis getragen wurde, musste die 18 Meter Klasse bei strahlender Sonne bis 15:30 am Boden bleiben und die weitere Wetterverbesserung abwarten. Aber auch nach 90 Minuten kreisten in Flugplatznähe die 30 Meter Spannweite messenden Offenen-Klasse-Flugzeuge ungewöhnlich tief im äußerst engen Arbeitsraum, wobei sie mächtige "Kunststoff-Wolken" bildeten. Um die Flugzeugdichte nicht weiter zu erhöhen, wurde auf den Start der 18 Meter Klasse verzichtet und zuerst deren Tagesaufgabe neutralisiert. Zwanzig Minuten später, als das Startfeld bereits geräumt war, wurde auch die Offene KLasse neutralisiert. Die Gunst der Stunde nutzend, flogen einige Piloten inoffizielle Racing-Aufgaben zum Training. So landete der Letzte gegen 18 Uhr nach etwa 300 km Strecke.
Gute Thermik für 400 km Strecke erwartet.
Für den Dienstag führt die Rückseite der nach Osten abziehenden Kaltfronteinen Druckanstieg herbei, der ein Hoch über ganz Deutschland ausbildet. die eingeflossene kühle und wolkenreiche Meeresluft gelangt damit unter störungsfreien Hocheinfluss. Thermische Aktivität wird gegen 11 Uhr erwartet mit mäßiger bis guter Cu- Thermik von 2-3 m/s Steigen bei einer Temperatur von 18 Grad Celsius, Obergrenze gegen 14 Uhr etwa 1500 mNN mit 1800 mNN maximal. Die Null-Grad-Grenze liegt bei 3.500 m.
Die Tagesaufgaben für beide Klassen führen auf einem geknickten Kurs über das östliche und dann nördliche Baden-Württemberg.
Seit 12:45 startet die 18 Meter Klasse. Deren Racing Task über 371 führt sie auf dem Kurs ab Sigmaringen zum Klippeneck, Giengen/Brenz, Feuchtwangen, Aalen-Elchingen, Herbertingen zur Ziellinie Mengen.
Die Offene Klasse, ebenfalls auf Racing Task von 421 km, startet seit 13:20 Uhr von Mengen und fliegt durch das Starttor Heiligkreuztal nach Neresheim, Walldürn, Giengen/Brenz, Marbach zurück zur Ziellinie Mengen.
Sicherheit
Beide Klassen werden immer in getrennten Starttoren ihren Wettbewerbsflug beginnen. Diese Sicherheitsmaßnahme entzerrt das Feld der Flieger. Ein Starttor ist wie ein Fussballtor, aber nur virtuell als solches wahrnehmbar. Auf die Karte gezeichnet ist es als Linie eingezeichnet. Die obere Latte liegt auf einer Höhe von 2900 Meter über Normal Null. Durch dieses Tor müssen die Flieger hindurchgleiten mit einer maximalen Geschwindigkeit von über 200 km/h, um einen gültigen Start zu dokumentieren.
Die Kontrolle über diesen Start führt ein elektronisches Aufzeichnungsgerät, welches im Segelflugzeug installiert ist, dem sogenannten Logger. Dieser Logger zeichnet den Luftdruck, also die Höhe auf, die geodätischen Koordinaten, die per Satelliten-Navigation vom gleichen Satellitensystem gespeist werden wie das für die Autofahrer, jedoch um die Komponente der Höhe korrigiert. Dadurch wir immer der genaue Standort über Grund angezeigt. Die dritte speicherwürdige Dimension ist die Geschwindigkeit, die der Logger aus den sich verändernden Koordinaten präzise errechnet und aufzeichnet. Somit kann der Schiedsrichter nach der Landung und nach der Auswertung dieses Loggers auf den fünf Meter genau erkennen, ob zwischen den "Seitenpfosten" des Tores oder daneben, ob unter der Latte von 2900 m NN oder darübergeflogen wurde , ob die maximale Starttor-Geschwindigkeit überschritten wurd oder nicht.
Diese Dinger von Logger sind so universell, dass sie anschliessend den ganzen Flug nachverfolgen lassen, denn jedes Kreisen kann Kreis für Kreis auf dem Bildschirm eines Computers sichtbar gemacht werden, jede unnötige Kursabweichug und vor allem aber, ob die Wendepunkte erreicht worden sind, ob militärische Sperrgebiete oder Flughafen-Kontrollzonen sauber umflogen worden sind. Diese Dinger sind ein wertvoller technischer Helfer auch für die Auswertung, denn die File dieses Logger wird auf einem Stick wie bei digitalen Fotoapparaten gespeichert, der nach dem Flug der Wettberwerbsleitung zur Auswertung überreicht wird. Dort werden die Daten sofort in den zentralen Rechner eingelesen, die Logger-Erkennungsadresse überprüft und dann ausgewertet.
Die Ziellinie ist wesentlich einfacher, den sie befindet sich am Ostrand des FLugplatzes Mengen. Piloten lieben Landeanflüge unter Wettbewerbsbedingungen. Er meldet sich über Funk 10 km vor dem Platz und beginnt dann mit seiner hoffentlich noch guten Höhe den Zielanflug. Sind zwei oder gar drei Flugzeuge in annähernd gleicher Höhe und Position, dann gibt es ein Rennen, wer wohl das best getunte Flugzueg hat und zuerst die Ziellinei überquert. Mit vollem Ballastwasser stürzen sie sich förmlich der Ziellinie entgegen, jeden kleinsten Vorteil ausnützend, der noch mehr Geschwindigkeit verspricht. Dann wird es auch für die Beobachter am Boden spannend, wenn drei und mehr Flugzeuge dicht über dem Boden im schnellen Tiefstflug über die Ziellinie jagen und danach wieder leicht Höhe gewinnend das Ballstwasser in zwei oder vier Strahlen aus ihren Flügeln ablassen und hinter sich breite Schleppen von zerstäubendem Wasser herziehen, oft bis zum Aufsetzen nach weitern zwei Kilometern auf der riesigen Landefläche. Damit hat der Pilot erreicht, in die Geschwindigkeitswertung zu kommen, der beste oder schnellste erhält 1.000 Punkte. Das bedeutet aber nicht, dass er als erster auch angekommen ist. Die Taktiker unter den Piloten vertrauen auf ihre Erfahrung, die sagt, dass je später der Nachmittag, je stärker ist das Steigen und je höher ist die Wolkenbasis, was ja für ein schnelles Vorankommen Voraussetzung ist.
Schafft es ein Pilot nicht, den Flugplatz zu erreichen, dann landet er auf einer passenden Wiese. Dafür bekommt er nur noch den Streckenanteil in Punkten gutgeschrieben. Der Pilot, der aber zwischen dem Abflug durchs Starttor, den er innerhalb eines vorgegenenen Zeitrahmens selbst wählen und sogar mehrmals wiederholen kann, und dem Überfliegen der Ziellinie die kürzeste Zeit oder die größte Geschwindigkeit nachweisen kann, hat dann auch die Tagesaufgabe gewonnen. Und das wollen sie alle, denn Deutscher Meister zu werden setzt schon ein gewisses Maß an Erfahrung, Beherrschung des Gerätes und auch etwas Courage voraus.
Die Ergebnisse der Tagesauswertung sind auf der Hompage www.Deutsche Segelflug Meisterschaften 2009 -Aufgaben und Auswertung- vollständig aufgeführt. Hier die vorläufige Tageswertung der ersten Drei jeder Klasse:
18 Meter Klasse, Racing, 371 km, Mengen-Klippeneck-Giengen /Br.-Feuchtwangen-Aalen Elchingen-Mengen.
Platz | Pilot | Flz Typ | Geschwindigkeit | Punkte |
|---|---|---|---|---|
1. | Reinhard Schramme | Ventus 2cxa | 103,07 km/h | 1000 |
2. | Armin Behrendt | Ventus 2cx | 102,91 km/h | 998 |
2. | Sebastian Huhmann | Ventus cxa | 102,90 km/h | 998 |
4. | Bernd Weber | Ventus CXT | 102,76 km/h | 995 |
4. | Thorsten Tacke | Ventus 2CXT | 102,73 km/h | 995 |
6. | Andreas Weidenbacher | ASH 26E | 101,10 km/h | 971 |
32 der 42 Teilnehmer in der 18 Meter Klasse erreichten eine Geschwindigkeitswertung.
Offene Klasse, Racing, 421 km, Mengen -Neresheim-Walldürn-Giengen/Brenz-Mengen
Platz | Pilot | Flz Typ | Geschwindigkeit | Punkte |
|---|---|---|---|---|
1. | Sylvian Gerbaud | Nimbus 4M | 123,06 km/h | 1000 |
2. | Stephan Beck | ASW 22 BLE | 122,41 km/h | 990 |
3. | Michael Sommer | ASW 22 BLE | 121,92 km/h | 982 |
Ein Pilot erfüllte die Aufgabe nicht.
GWM
Rückfragen: Gerhard W. Mayer, Mobil 0172 623 45 01

